Beherzt gegen Peitschenwürmer

 Quelle: thetoymuseum.blogspot.de

Wie nennt man eine Vereinigung, von der man selbst noch nicht so genau weiß, wozu sie eigentlich gut sein soll? Vor dieser Frage standen wir vor nun fast einem Jahr. Was wir damals vorhatten und was wir heute treiben, ist noch nicht vollständig geklärt. Aber immerhin haben wir mittlerweile einen Namen dafür. Was das Kunstwort verblonshen heißen soll, ist spätestens seit den Zeitungsberichten über unsere letzte Ausstellung den meisten bekannt. Was allerdings die kleingedruckte Gesellschaft zur Erhaltung des Dschagannath-Wagens bedeutet, wurde bisher noch nicht näher erläutert. Als Juggernaut werden in Computerspielen schlagkräftige Typen bezeichnet, die „erhöhte Feuerkraft zur Eliminierung erfordern“ (wikipedia). Auch in der Comicreihe X-Men trifft man auf Juggernaut, der die bewundernswerte Gabe besitzt, durch Wände rennen zu können. Ursprünglich kommt der Begriff von einem hinduistischen Brauch, bei dem ein tonnenschwerer Prozessionswagen derart außer Kontrolle gerät, dass er zahlreiche Gläubige zermalmt, von denen man nie so genau weiß, ob sie ausversehen oder aus religiöser Verehrung unter die Räder geraten sind.

Was sind wir eigentlich für ein Verein, dass wir uns die Erhaltung einer alles überrollenden Höllenmaschine auf die Fahne schreiben? Und was kann uns ein Comicheld, dessen Aussehen zwischen einer verrosteten Suppenkelle, einem plattgetretenen Germknödel und einer Kleinplastik aus Geflügelinnereien schwankt, dabei mit auf den Weg geben?

Quellen: blackmage9.deviantart.com, altestiche.com, rosenheim24.de

Zunächst muss man klarstellen, dass der Dschagannath-Wagen weniger einem Kampfroboter als einem Gefahrguttransporter gleicht. Anthony Giddens, der sich des Bildes dieses Wagens bediente, um die riskante Eigendynamik der von immer mehr Expertensystemen gesteuerten modernen Gesellschaft zu beschreiben, war sogar der Meinung, die Fahrt mit diesem öffentlichen Verkehrsmittel könne sich durchaus angenehm gestalten. Man hat von nichts eine Ahnung, also lehnt man sich entspannt zurück, bis die nette Stewardess einen mit der gewichtigen Frage konfrontiert, ob man denn lieber ein Tunfisch- oder ein Käsesandwich möchte (jetzt muss man auch noch Entscheidungen treffen!) – oder bis das riesige Gefährt gegen die nächstbeste Betonmauer donnert. Und dann wundert man sich (im besten Falle, im schlimmsten ist man dazu nämlich nicht mehr fähig). Welcher Trottel ist denn da hinter dem Steuer gesessen? Hatte der überhaupt ‘nen Führerschein? Ob es sich um Kernschmelze, Eurokrise oder Kunstprojekt handelt – diejenigen auf dem Wagen sind am Ende nicht besser dran, als die, die sich in weiser Voraussicht bereits unter die Räder geworfen haben.
Der Dschagannath-Wagen ist zwar schwierig, aber darum nicht unmöglich zu kontrollieren. Deshalb sollten wir einfach mal sitzen bleiben – vielleicht nicht gerade auf der hinteren Ladefläche oder dem Platz neben dem Fahrer (bekanntermaßen ist ja das Todesrisiko auf dem Beifahrersitz am höchsten), sondern lieber gleich selbst am Steuer. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir den Karren permanent an die Wand fahren, ist hoch. Doch die Erhaltung des Dschagannath-Wagens bedeutet weder die Erhaltung des destruktiven Moments noch den zum Scheitern verurteilten Versuch, jegliches Risiko zu vermeiden, sondern die Verhinderung eines Totalschadens bei gleichzeitiger Beschleunigung auf Maximalgeschwindigkeit.

Eines Tages geht Juggernaut spazieren. Und wie das im Leben so ist, taucht plötzlich ein Peitschenwurm vor ihm auf. Und weil Juggernaut für Gewöhnlich nicht lange fackelt (und wahrscheinlich auch, weil Juggernaut nicht besonders helle ist), kommt ihm das überhaupt nicht komisch vor, und er beginnt, frohgemut auf den gemeinen Peitschenwurm einzudreschen. Der Wurm hat wohl kurz zuvor Frankfurter Grüne Sauce (sein Leibgericht) zu Mittag gehabt – jedenfalls spritzt ihm die Brühe aus sämtlichen Körperöffnungen. Juggernaut ist also ein Mann (?) der Tat. Vermutlich würde er auch nicht lange überlegen, bevor er einen Dschagannath-Wagen anschubsen würde. Man muss das ja wohl noch austesten dürfen…

07. August 2012 by ellen
Categories: Blog | Leave a comment

Leave a Reply

Required fields are marked *