Ruth Neumeier

Ruth Neumeier bezieht sich immer auf Vorgefundenes, das sie zur intensiveren Auseinandersetzung mit dem Material anregt. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Zeichnung, Fotokopie und Laserdruck, aber auch inhaltliche und formale Aspekte gehen ineinander über. So kann ein Text oder eine Fotografie Assoziationen wecken, die sich zu einer mehr oder weniger zusammenhängenden Geschichte entwickeln, genauso aber kann ein beschädigter Bogen Papier Anlass sein, sich auf materialästhetischer Ebene mit eben diesem „Fehler“ zu beschäftigen, ihn zu erweitern oder zu ergänzen und damit vielleicht sogar zu „reparieren“. Wichtiger als eine kompositorische Vorüberlegung ist das Nachvollziehen einer bestimmten Struktur oder Form in einer Vorlage, sei es durch das Ausschneiden mit dem Skalpell, das zeichnerisches Fortsetzen einer Linie oder auch das scheinbar stupide Wiederholen eines Musters bis an den Rand des Blattes. Dabei wird das Papier weniger gefüllt als bearbeitet, einzelne Schichten werden eingeritzt, abgerieben oder neu aufgeklebt. Es geht eben nicht um eine „Bildfindung“ in dem Sinne, dass es ein „Bild“ zu finden gilt, sondern vielmehr darum, die Gelegenheit zu einer künstlerischen Erfahrung zu nutzen und erst im Nachhinein überhaupt benennen zu können, was einen während des Zeichnens antreibt. Die „Bildidee“ steht nicht am Anfang, sondern am Ende des Arbeitsprozesses. Auch danach noch setzt sich dieses Austesten fort, kombiniert werden nun nicht mehr verschiedene Techniken, sondern einzelne Arbeiten. Dabei wird aus dem spielerischen Umordnen zunehmend eine bewusste Suche nach möglichen – subjektiven oder objektiven – Ordnungskriterien. Die gegenseitige Beeinflussung unterschiedlicher Formate und die Frage nach der Positionierung der Blätter, die zu einem größeren Ganzen gehören und doch eigenständig bleiben, stellen die eigentliche Herausforderung dar, die Präsentation der Werke gehört mit zu deren Herstellung.

Ruth Neumeier always refers to things she finds, which prompt her to deal with the material more intensely. Thereby, the borders between drawing, photocopy, and laser printing blur; at the same time aspects of content and form blend into each other. Thus, a text or photography can excite associations, which evolve into a more or less coherent story. All the same, a damaged piece of paper can cause the viewer to deal with that “mistake” on a material-aesthetic level, to extend it or to complete it and with this perhaps “repair” it. What is even more important to Ruth Neumeier than preliminary considerations on composition is the comprehension of a certain structure or form of a material. This comprehension she obtains by cutting out with a scalpel, proceeding a line by means of drawing, or by repeating a pattern to the margin of a piece of paper. In doing so the paper gets wrought, single layers are carved, scrubbed, or glued on anew. Ruth Neumeier’s art is not about “pictorial invention” in that sense that a “picture” is to be created, but moreover it is about using the opportunity to gain new artistic experience. It is only possible to identify the urge for having proceeded exactly the way it has been done afterwards. The idea for a picture is not at the beginning, but rather at the end of the procedure. Even after that the experimentation continues: not only different techniques are combined, but also single works of art. Thereby, the ludic rearranging turns more and more into a deliberate search for possible – subjective or objective – classification criteria. The mutual impact different paper sizes have on each other, as well as the question on how to position these pieces of paper, which are part of a unified whole but remain autonomous nonetheless, is the actual challenge; the presentation of the art works is part of their fabrication.

Vita

2008-2012 Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei Prof. Michael Munding, Klasse für freie Malerei und Kunsterziehung, Meisterschülerin

2007/08 Praktika bei der Stadtkunst in Regensburg und in der Gastronomie

2006/07 Au-pair-Aufenthalt in Paris

2006 Abitur am Gymnasium Neutraubling

1987 geboren in Regensburg

Ausstellungen

2013 Collector’s View, Gruppenausstellung in der Galerie Annette Oechsner, Nürnberg

2011 Jahresausstellung der AdBK Nürnberg, von Fr. Carla Orthen kuratierte Ausstellungshalle

2010 „Import-Export“, Gruppenausstellung, Akademiegalerie Nürnberg Jahresausstellung der AdBK Nürnberg, von Ellen Blumenstein kuratierte Ausstellungshalle „Er steht, sie hängt und ich mach das Licht aus“, Gruppenausstellung im Rahmen der ZAKK-Ausstellungsreihe „-ION“, Gruppenausstellung im Rahmen der ZAKK-Ausstellungsreihe, Ausstellungslabor der AdBK Nürnberg

2009 „Eingriff“, A. K. T., Kunstverein Amberg

Auszeichnungen

2011 Stipendium für die Sommerakademie Salzburg