Verblonshen in der Akademie Galerie

Gruppenausstellung , 2. – 18. August 2012 (Vernissage 1. August, 19 Uhr)

Der Name der Künstlergruppe verblonshen.org leitet sich von einer Wortneuschöpfung aus dem jiddischen Verb ‚far blondzhen‘ ab, was so viel heißt wie ‚sich verlaufen‘ oder ‚vom Weg abkommen‘. verblonshen beschäftigt sich in verschiedenen bildnerischen Medien, aber auch schreibend und denkend mit Wegen, produktiv in die Irre zu gehen. In der Ausstellung in der Akademie Galerie wurden Malerei und Zeichnung, Objekte und Fotografie gezeigt.

Genaueres zu den Arbeiten nach der Bildstrecke.

Bilder

Arbeiten

In Kimberly Geberts Malereien gehen Figuren in unübersichtlichen Raumsituationen scheinbar bedeutungsvollen Handlungen nach. In Engelein flieg und Sparks tragen die Figuren seltsame Badeanzüge oder weite Umhänge, sie könnten Darsteller eines zeitgenössischen Tanztheaters oder eines Passionsspiel-Ensembles sein. In Monkey Buffet verdankt sich die traumartig-unwirkliche Stimmung nicht nur der seltsamen Haltung der Figuren, sondern auch den kahlen Bäumen und dem dunstig-weißen Himmel über dem saftig grünen Gras, das allerdings eher die Materialität eines Teppichbodens zu besitzen scheint. In Fishing blühen die Bäume, doch auch hier ist die Atmosphäre von kaltem Weiß und blassen Violettönen im Kontrast zu schwarzen Linien und Flächen geprägt.

Marie Saalfranks Capricen aus zerlegten Uhrwerken, Glaskolben, porzellanenen Puppenköpfen und Insektenabgüssen wecken Assoziationen zu kafkaesken Verwandlungsszenarien und alchemistischen Versuchsaufbauten. In den Kombinationen aus Photomontage und digitaler Malerei wird das Schwerfällige zerbrechlich, das Zerbrechliche zerstörerisch: Parade zeigt einen im Format verlorenen Elefanten, dort, wo man die stämmigen Beine vermutet, umhüllt die ledrige blaugraue Haut einen leeren Kern. Den Schwanenbiss vollführt ein prinzessinnenhaftes Wesen, das mit starrem Blick den Hals des anmutigen Vogels packt und zum Mund führt. had a little lamb vereint mit dem Aufzug am Ende des Ganges, einem Tierskelett und einer Gestalt mit Widderhörnern gleich mehrere unheimliche Motive.

In den Gemälden von Christine Preuß lösen treffen flirrende Farbnebel auf pastose Strukturen, um einander zu durchdringen, sich aufzulösen und anschließend wieder zu Behauptungen aus Farben, Formen und Pinselstrichen zu verdichten. Die helle Leuchtkraft der Farben des abstrakten großformatigen Diptychons Der verlorene Horizont war bereits durch das zur Eingangsseite hin gelegene Fenster der Akademie Galerie zu sehen. Im Unterschied dazu dominieren in Blao dunkle Blautöne, die an die Tiefsee oder den Nachthimmel denken lassen und eine kontemplative, beinahe melancholische Stimmung ausstrahlen.

Ellen Wagner kombiniert in Zwiebelmodell russische Matrjoschka-Puppen mit einem hinter den Farbschichten kaum identifizierbaren Pferdekopf, faserige ockerfarbene Pinselstriche treffen auf Nebel aus weißer Kreide. In Reisende kommt es zu einem Stelldichein zwischen einem Tapir, einem Albino-Pfau und dem Piloten einer seltsamen Flugmaschine. Sieben Arbeiten auf grauem Karton in extremen Längs- bzw. Querformaten (18xx, Abb. 1-7, je 42 x 9 cm) versammeln Motive aus Kunstgeschichtsbüchern, Bergbauabhandlungen und Frauenzeitschriften in ungewohnt gestreckten Kompositionen.

Ruth Neumeier zeigte in der Ausstellung Papierarbeiten, in denen durch das Aneinanderkleben von umgedrehten Kassenzetteln (mit der Rückseite nach vorne), Strukturen aus blassroten Streifen entstehen. Daneben gab es zwei säulenartig in den Raum gestellte offene Papierzylinder, in die der Besucher hineinblicken musste, um die Zeichnung auf deren Innenseite betrachten zu können. Auch hier handelte es sich also um ein Spiel mit Vorder- und Rückseiten, die einfach umgedreht werden und dadurch eine zunächst ungewohnte Ansicht darbieten.

Marvin Preuß war mit zwei Inkjet Prints vertreten. Die Schwarz-Weiß-Fotografien geben Landschaftsansichten wieder, in denen es vor allem um Lichtstimmungen geht, die entstehen, wenn die Sonne auf bestimmte Art durch das Geäst von Bäumen scheint. In der Arbeit im etwas größeren Format ist die räumliche Orientierung deutlich erschwert, obwohl einem die Motive aus der Natur vertraut sind, muss man mehrmals und genau hinschauen, um die einzelnen Bildelemente als Baumkette oder Wasseroberfläche zu identifizieren.

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